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Gerber (Angehöriger, Sohn)

Herr Gerber (Sohn des Betroffenen) verlor im März 2020 seinen 63-jährigen Vater an einer Hirnblutung. Seine Mutter fand ihren Mann mit einem Krampfanfall im Stall ihres Bauernhofes. Als sie den Rettungswagen riefen, musste Herr Gerber schon länger am Boden gelegen haben. Die Bildgebung des Kopfes deutete auf eine Blutung mit schwersten Hirnschädigungen hin – der Vater zeigte in den Untersuchungen keine Reaktionen. Die Familie entschied sich am fünften Tag, auf lebenserhaltende Massnahmen zu verzichten. Der Vater verstarb nach kurzer Zeit auf der Palliativstation. Herr Gerber (Sohn des Betroffenen) war bei dem Ereignis 35 Jahre. Die Blutung ereignete sich im ersten Lockdown der Corona-Pandemie. Die Gesundheitseinrichtungen sprachen zu dieser Zeit ein Besuchsverbot aus. Zu Entscheidungen am Lebensende durften zwei Angehörige das Spital betreten. Herr Gerber (Sohn) begleitete seine Mutter bei den Spitalbesuchen. Er empfand es als grosse Last, die Entscheidungen ohne Anwesenheit seiner Geschwister zu treffen. Herr Gerber (Sohn des Betroffenen) hat drei Bauernhöfe mit einer grossen Viehzucht. Sein Vater stand ihm bei der täglichen Arbeit zur Seite. Der Tod des Vaters war ein grosser Einschnitt in sein Leben. Das Interview mit Herrn Gerber fand im Juli 2021 online statt.

AUDIO

Herr Gerber bereut, seinen Vater beim Sterben nicht begleitet zu haben

Herr Gerber traf gemeinsam mit seiner Familie die Entscheidung, die lebenserhaltende Therapie seines Vaters zu beenden. Nach dieser schweren Entscheidung ging er nach Hause. Sein Vater verstarb auf der Palliativstation. Im Rückblick bereut er den Entschluss, nicht bei seinem Vater geblieben zu sein. Es hätte ihm geholfen, wenn das Personal ihn in die Palliativtherapie einbezogen hätte, um so den Schrecken vor dem Tod zu verlieren.

Video-Interview

TRANSKRIPTION

Für mich ist schon klar, mir ist schon bewusst gewesen, was palliativ heisst, oder für mich ist das ein Wort gewesen, und, ja, aber ich habe mir gar nie gross Gedanken darüber gemacht, was das bedeutet. Oder beziehungsweise schon, was das bedeutet, oder wie das da vonstattengeht. Vielleicht hätte es geholfen, wenn man etwas genauer erläutert hätte, wohin das er, was das vielleicht für ein Ort oder was das für ein Zimmer ist oder ob er da ganz allein im Zimmer ist oder ob da noch andere Leute sind. Oder ob irgend/ ja, vielleicht … hat man noch Musik können abspielen, wo er gerngehabt hat. Weil er ist Musikant gewesen. Vielleicht so irgendetwas. Aber ja. Ja, das wäre vielleicht noch etwas gewesen, ja. Weil jetzt weiss man/ ja man hat ja nicht gewusst/ ich weiss auch heute noch nicht, ob er alleine in einem Zimmer gewesen ist und man das Bett reingestellt hat und man gewartet hat. Ich kann mir da nichts drunter vorstellen, oder. Ja, will mir auch eigentlich nichts drunter vorstellen im Nachhinein, ja.

Weitere Erfahrungen von Gerber (Angehöriger, Sohn)

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Gerber (Angehöriger, Sohn)

Herr Gerber (Sohn des Betroffenen) verlor im März 2020 seinen 63-jährigen Vater an einer Hirnblutung. Seine Mutter fand ihren Mann mit einem Krampfanfall im Stall ihres Bauernhofes. Als sie den Rettungswagen riefen, musste Herr Gerber schon länger am Boden gelegen haben. Die Bildgebung des Kopfes deutete auf eine Blutung mit schwersten Hirnschädigungen hin – der Vater zeigte in den Untersuchungen keine Reaktionen. Die Familie entschied sich am fünften Tag, auf lebenserhaltende Massnahmen zu verzichten. Der Vater verstarb nach kurzer Zeit auf der Palliativstation. Herr Gerber (Sohn des Betroffenen) war bei dem Ereignis 35 Jahre. Die Blutung ereignete sich im ersten Lockdown der Corona-Pandemie. Die Gesundheitseinrichtungen sprachen zu dieser Zeit ein Besuchsverbot aus. Zu Entscheidungen am Lebensende durften zwei Angehörige das Spital betreten. Herr Gerber (Sohn) begleitete seine Mutter bei den Spitalbesuchen. Er empfand es als grosse Last, die Entscheidungen ohne Anwesenheit seiner Geschwister zu treffen. Herr Gerber (Sohn des Betroffenen) hat drei Bauernhöfe mit einer grossen Viehzucht. Sein Vater stand ihm bei der täglichen Arbeit zur Seite. Der Tod des Vaters war ein grosser Einschnitt in sein Leben. Das Interview mit Herrn Gerber fand im Juli 2021 online statt.

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Gerber (Angehöriger, Sohn)

Er zeigte keine Reaktionen

Reaktionen sind lebenswichtige Zeichen, in denen die Wahrnehmung, Nerven und Muskeln zusammenspielen. Es zeigte sich bereits in den ersten Tagen, dass Herr Gerber auf keine Reize reagierte. Die Familie entschied sich, die lebenserhaltenden Maschinen nicht weiter laufen zu lassen.

Herausforderungen nach einer Schädigung des Gehirns

Schädigung des Gehirns

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Gerber (Angehöriger, Sohn)

Es gab keine Anzeichen

Herrn Gerber wurde die Sterblichkeit bewusst, als sein kerngesunder Vater aus dem Leben gerissen wurde. Auch noch eineinhalb Jahre nach dem Tod des Vaters wird deutlich, mit welcher Ohnmacht die Familie auf das Ereignis zurückblickt.

Krankheitserleben

Schädigung des Gehirns

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Gerber (Angehöriger, Sohn)

«Man ist geschockt»

Herr Gerber beschreibt die Hilflosigkeit, die er auf der Intensivstation spürte.

Auswirkung für Angehörige

Schädigung des Gehirns

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Gerber (Angehöriger, Sohn)

Wut, Trauer und Hilflosigkeit liegen nah beieinander

Der plötzliche Tod seines Vaters macht Herrn Gerber sehr wütend. Als Bauer war er gezwungen, seinen langen Arbeitsalltag trotz der Trauer fortzusetzen. Besuch empfand er in dieser Zeit als sehr belastend.

Auswirkung für Angehörige

Schädigung des Gehirns

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Gerber (Angehöriger, Sohn)

Herr Gerber musste Entscheidungen vor seinen Geschwistern rechtfertigen

In der ersten Welle der Corona-Pandemie durften nur zwei Angehörige zur Sterbebegleitung ins Krankenhaus. Die Geschwister von Herrn Gerber kannten den Zustand des Vaters nur aus Beschreibungen. So musste Herr Gerber nicht nur die Therapieentscheidungen für seinen Vater treffen, sondern auch die Kritik seiner Geschwister aushalten.

Auswirkung für Angehörige

Schädigung des Gehirns

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Gerber (Angehöriger, Sohn)

Während der der langen Trauerphase brauchte seine Mutter 24 h Betreuung

Herr Gerber hat einen eigenen Bauernhof und bekam immer viel Unterstützung durch seinen Vater. Der Tod des Vaters kam in einer Zeit, wo Herr Gerber besonders auf ihn angewiesen war. Erschwerend kam hinzu, dass er sich dann zusätzlich um seine Mutter und um die Administration der Beerdigung zu kümmern hatte.

Auswirkung für Angehörige

Schädigung des Gehirns

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Gerber (Angehöriger, Sohn)

Herr Gerber ist um zwei Erkenntnisse reicher geworden

Herr Gerber lernte durch den Tod seines Vaters, welche Menschen er in der Not um sich braucht. Er weiss heute auch, wie wichtig es ist, über seine Patient*innenverfügung zu sprechen.

Lehre und Strategien

Schädigung des Gehirns

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Gerber (Angehöriger, Sohn)

«Weine nicht, weil du traurig bist, sondern lächle, weil es so schön war»

Herr Gerber fand viel Unterstützung in seiner Glaubensgemeinschaft. Wenn er an seinen verstorbenen Vater denkt, versucht er sich an Schönes zu erinnern.

Lehre und Strategien

Schädigung des Gehirns

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Gerber (Angehöriger, Sohn)

Die Hilflosigkeit war gravierend

Als Herr Gerber seinen Vater auf der Intensivstation sah, fühlte er sich völlig machtlos. Er war geschockt, seinen Vater so zu sehen, der noch einen Tag zuvor kerngesund war.

Ablauf nach einer akuten Hirnverletzung

Schädigung des Gehirns

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Gerber (Angehöriger, Sohn)

"Wir müssen ihn verlegen"

In der ersten Welle der Covid-Pandemie gab es ein generelles Besucher*innenverbot. Bei wenigen Ausnahmen, zum Beispiel einer Entscheidung am Lebensende, durften zwei Angehörige das Spital betreten. Die Intensivstationen waren zu der Zeit so voll, dass der Patient nach der akuten Behandlung im Zentrumspital verlegt werden musste.

Ablauf nach einer akuten Hirnverletzung

Schädigung des Gehirns

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Gerber (Angehöriger, Sohn)

Der Vater lag krampfend im Stall

Sie riefen sofort den Notruf, als sie den Vater mit einem Krampfanfall vorfanden.

Entscheidungsfindung

Schädigung des Gehirns

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Gerber (Angehöriger, Sohn)

Das Gehirn war schwer betroffen

Die neurologischen Untersuchungen zeigten bereits in den ersten Tagen, dass der Betroffene bei Fortsetzung der Therapie schwer pflegebedürftig würde. Aufgrund dieses eindeutigen Befundes entschieden die Angehörigen gemeinsam mit dem ärztlichen Team, die lebenserhaltende Therapie einzustellen.

Entscheidungsfindung

Schädigung des Gehirns

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Gerber (Angehöriger, Sohn)

"Leider haben meine Eltern keine Patientenverfügung gehabt"

Obwohl der Wille des Betroffenen bekannt ist, bedauert der Sohn, dass sein Vater den Willen nicht schriftlich fixierte. Als die Entscheidungen getroffen wurden, den Vater nicht länger lebenserhaltend zu therapieren, fühlte Herr Gerber die gesamte Last der Entscheidung auf seinen Schultern.

Entscheidungsfindung

Schädigung des Gehirns

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Gerber (Angehöriger, Sohn)

Man "ist in einem Ausnahmezustand"

Die Bürde, der Schmerz und das Gefühl der Ohnmacht wird in der Erzählung von Herrn Gerber deutlich.

Entscheidungsfindung

Schädigung des Gehirns

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Gerber (Angehöriger, Sohn)

Herr Gerber fühlte sich durch die Gespräche gut aufgeklärt

Die Ärzt*innen kommunizierten Ergebnisse und Untersuchungen so, dass sich Herr Gerber gut informiert fühlte. So konnte er sich auf die Entscheidung vorbereiten, seinen Vater gehen zu lassen.

Entscheidungsfindung

Schädigung des Gehirns

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Gerber (Angehöriger, Sohn)

Herr Gerber bereut, seinen Vater beim Sterben nicht begleitet zu haben

Herr Gerber traf gemeinsam mit seiner Familie die Entscheidung, die lebenserhaltende Therapie seines Vaters zu beenden. Nach dieser schweren Entscheidung ging er nach Hause. Sein Vater verstarb auf der Palliativstation. Im Rückblick bereut er den Entschluss, nicht bei seinem Vater geblieben zu sein. Es hätte ihm geholfen, wenn das Personal ihn in die Palliativtherapie einbezogen hätte, um so den Schrecken vor dem Tod zu verlieren.

Entscheidungsfindung

Schädigung des Gehirns

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Gerber (Angehöriger, Sohn)

Sein Vater starb am 6. Krankheitstag

Auch wenn der Abschied immer noch schmerzt, war es für Herrn Gerber richtig, sich gegen eine lebenserhaltende Therapie entschieden zu haben.

Entscheidungsfindung

Schädigung des Gehirns

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Gerber (Angehöriger, Sohn)

Herr Gerber war in der freievangelischen Gemeinde aktiv

Herr Gerber beschreibt sich als gläubigen Menschen, dem der christliche Glaube Beständigkeit verleiht.

Glaube, Religion und Spiritualität

Schädigung des Gehirns

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Gerber (Angehöriger, Sohn)

Denken sie nicht an einen violetten Elefanten

In medizinischen Entscheidungen [Beispiel Vorsorgeuntersuchung] orientiert sich Herr Gerber an der Bibel und entschied sich gegen die Untersuchung. Er glaubt, dass sich Gedanken auswirken und ist überzeugt, dass Gottesvertrauen schützt.

Glaube, Religion und Spiritualität

Schädigung des Gehirns

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Gerber (Angehöriger, Sohn)

Die Glaubensgemeinschaft als Hilfsquelle

Herr Gerber ist in einer religiösen Gemeinschaft eingebettet, die ihn in der schweren Trauerphase begleitete.

Glaube, Religion und Spiritualität

Schädigung des Gehirns

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