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Steiner (Betroffener)

Mit 52 Jahren erlitt Herr Steiner einen Schlaganfall. Als er nachts auf die Toilette wollte, merkte er, dass sein Bein gelähmt war, er nicht mehr richtig gehen konnte und sich übergeben musste. Seine Ex-Partnerin rief sofort den Krankenwagen. Im Spital kam es zu einem zweiten Schlaganfall, der ausgeprägte Wortfindungsstörungen verursachte. An die akute Krankheitsphase und die anschliessende Rehabilitation hat Herr Steiner nur wenige Erinnerungen. Die Ursache war vermutlich eine seltene Bluterkrankung, die das Gerinnungssystem beeinflusst. In der Rehabilitation lernte er das Gehen neu: zuerst im Rollstuhl, dann mit dem Rollator. Er leidet weiterhin an Gleichgewichtsstörungen, konnte aber wieder Velofahren lernen. Nach vier Monaten beendete er den Reha-Aufenthalt. Seine Sprachfähigkeit war stark beeinträchtigt, deshalb investierte er mithilfe der Logopädie viel Zeit in Sprachübungen und lautes Lesen. Physiotherapie nimmt er weiterhin in Anspruch, da er immer wieder unter Muskelverkrampfungen leidet. Auch alltägliche Dinge wie die Bedienung des Handys oder das Einkaufen hat er sich wieder neu angeeignet. Manchmal fällt es ihm schwer, sich im Supermarkt zu orientieren. Die Einnahme von Betablockern schränkt sportliche Aktivitäten zusätzlich ein. Körperliche und sprachliche Fähigkeiten sind auch nach sieben Jahren stark tagesformabhängig. Herr Steiner verfügt über eine Patientenverfügung, weil er sicher ist, in einem passiven Zustand nicht weiterleben zu wollen. Die Verfügung liegt bei seiner Schwester, die ihn auch bei administrativen Aufgaben unterstützt. Ihm ist bewusst, wie belastend es für Angehörige sein kann, einen geliebten Menschen in einem akut veränderten Zustand und unter Lebensgefahr zu begleiten. Beruflich war Herr Steiner als Bühnenkünstler und Komiker tätig. Beim Versuch, wieder auf die Bühne zurückzukehren, stellte er fest, dass nicht nur seine Sprache eingeschränkt war, sondern auch die langen Erholungszeiten nicht mehr mit dem Bühnenprogramm vereinbar waren. Sport war ihm immer wichtig, doch auch hier musste er Abstriche machen. Das Interview fand sieben Jahre nach dem Ereignis in den Räumlichkeiten der Universität statt. Zu diesem Zeitpunkt lebte Herr Steiner in einer Stadtwohnung und bezog eine Invalidenversicherung.

VIDEO

Bedeutung von Bewegung für die körperliche Stabilität

Für Herrn Steiner ist tägliche Bewegung wichtig, um seine Bewegungsfähigkeit zu erhalten. Er erlebt, dass regelmässige körperliche Aktivität dazu beiträgt, seine Mobilität im Alltag zu sichern. An Tagen, an denen ihm die Motivation zur Bewegung fehlt, bemerkt er hingegen, dass sich seine körperlichen Fähigkeiten verschlechtern. Besonders an solchen «schlechten Tagen» fällt ihm das Treppensteigen schwer.

Video-Interview

TRANSKRIPTION

E: Eben Bewegung, also das Ding ist eben, je mehr ich mich bewege, desto besser geht es mir. Also wenn - wenn ich einmal zwei Tage daheim bin, eben letztes Jahr hat es einmal zwei Tage wirklich gegeben, einfach keine Lust gehabt, hinauszugehen, dann geht es mir wirklich schlechter. Also das Gleichgewicht ist schlecht, ich sehe schlechter. Extrem. Da muss ich wie so neu anfangen. Und eben, je mehr ich mich bewege, desto besser geht es mir. Aber eben, das ist auch anstrengender als früher. Gut, das hat sicher auch mit dem Alter zu tun, ich bin nicht mehr der Jüngste anscheinend. Ja. Aber ja, ist einfach anstrengender. Eben, wenn ich laufen gehe, ist es viel anstrengender als früher. Laufen ist, ich sage einmal, etwa dreimal so anstrengend wie früher. Eben, manchmal gehe ich irgendwie wandern sogar, einmal ging ich sogar in die Berge. Ich ging früher relativ oft in die Berge, auch alleine, einfach ein bisschen laufen gehen, da den Berg hinauf. Das ist - also das Ding ist ja, mit festem Schuhwerk geht es besser. So Gleichgewichtsprobleme sind dann viel weniger. Aber ich merke schon, eben, (das) braucht extrem einfach das Gehirn, vor allem der Ablauf und so. Da merkt man einfach, was das Hirn am Arbeiten ist. Eben, als Gesunder merkt man das nicht gross. Ich merke es einfach, ich bin nachher extrem erschöpf- nicht nur körperlich, sondern auch im Hirn, extrem. I: Du musst wahrscheinlich über jeden Schritt nachdenken, oder? E: Ja. Eben, was früher automatisch war oder so. Und i- eben dort merke ich, wie die Stimmung ist, zum Beispiel wenn ich eine Treppe hinauflaufe, also bei mir in (Quartier) hat es ein paar relativ lange Stegen (Treppe) vom Bus unten hinauf. Und dort, wenn es gut geht, laufe ich relativ normal, schaue vorwärts. Und wenn es mir schlecht geht, muss ich hinunterschauen. Dann mache ich - jeden Schritt muss ich schauen. Einfach sehr schlecht, aber es geht dann noch. Also es ist eigentlich - ich könnte nicht vorwärtsschauen, es wird mir ganz schwindlig und so. Da muss ich mich wirklich halten. Ja. Und eben, ich kann nur links halten, weil diese Hand möchte nicht - möchte manchmal nicht richtig, ja.

Weitere Erfahrungen von Steiner (Betroffener)

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Steiner (Betroffener)

Mit 52 Jahren erlitt Herr Steiner einen Schlaganfall. Als er nachts auf die Toilette wollte, merkte er, dass sein Bein gelähmt war, er nicht mehr richtig gehen konnte und sich übergeben musste. Seine Ex-Partnerin rief sofort den Krankenwagen. Im Spital kam es zu einem zweiten Schlaganfall, der ausgeprägte Wortfindungsstörungen verursachte. An die akute Krankheitsphase und die anschliessende Rehabilitation hat Herr Steiner nur wenige Erinnerungen. Die Ursache war vermutlich eine seltene Bluterkrankung, die das Gerinnungssystem beeinflusst. In der Rehabilitation lernte er das Gehen neu: zuerst im Rollstuhl, dann mit dem Rollator. Er leidet weiterhin an Gleichgewichtsstörungen, konnte aber wieder Velofahren lernen. Nach vier Monaten beendete er den Reha-Aufenthalt. Seine Sprachfähigkeit war stark beeinträchtigt, deshalb investierte er mithilfe der Logopädie viel Zeit in Sprachübungen und lautes Lesen. Physiotherapie nimmt er weiterhin in Anspruch, da er immer wieder unter Muskelverkrampfungen leidet. Auch alltägliche Dinge wie die Bedienung des Handys oder das Einkaufen hat er sich wieder neu angeeignet. Manchmal fällt es ihm schwer, sich im Supermarkt zu orientieren. Die Einnahme von Betablockern schränkt sportliche Aktivitäten zusätzlich ein. Körperliche und sprachliche Fähigkeiten sind auch nach sieben Jahren stark tagesformabhängig. Herr Steiner verfügt über eine Patientenverfügung, weil er sicher ist, in einem passiven Zustand nicht weiterleben zu wollen. Die Verfügung liegt bei seiner Schwester, die ihn auch bei administrativen Aufgaben unterstützt. Ihm ist bewusst, wie belastend es für Angehörige sein kann, einen geliebten Menschen in einem akut veränderten Zustand und unter Lebensgefahr zu begleiten. Beruflich war Herr Steiner als Bühnenkünstler und Komiker tätig. Beim Versuch, wieder auf die Bühne zurückzukehren, stellte er fest, dass nicht nur seine Sprache eingeschränkt war, sondern auch die langen Erholungszeiten nicht mehr mit dem Bühnenprogramm vereinbar waren. Sport war ihm immer wichtig, doch auch hier musste er Abstriche machen. Das Interview fand sieben Jahre nach dem Ereignis in den Räumlichkeiten der Universität statt. Zu diesem Zeitpunkt lebte Herr Steiner in einer Stadtwohnung und bezog eine Invalidenversicherung.

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Steiner (Betroffener)

Bei einem Schlaganfall zählt jede Minute

Als Herr Steiner nachts aufstehen wollte, war sein Bein plötzlich gelähmt und ihm war sehr übel.

Krankheitserleben

Schädigung des Gehirns

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Steiner (Betroffener)

Herr Steiner erlitt einen zweiten Schlaganfall während des Spitalaufenthalts

Herr Steiner merkte nicht, dass seine Sprachfähigkeit versagte. Das Pflegepersonal erkannte die Situation sofort und holte ärztliches Personal an Bett.

Krankheitserleben

Schädigung des Gehirns

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Steiner (Betroffener)

«Ich bin ein Gemüse gewesen»

Herr Steiner beschreibt sich rückblickend während der akuten Krankheitsphase als „Gemüse» - ein Ausdruck, der für ihn einen Zustand symbolisiert, in dem er Teile seiner eigenen Wahrnehmung nicht mehr erfassen konnte. Trotz seiner sonst humorvollen Persönlichkeit berichtet er, dass er in dieser Zeit keinerlei Humor mehr empfand.

Krankheitserleben

Schädigung des Gehirns

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Steiner (Betroffener)

Physio-, Ergo- und Logopädie und Gesangstunden

Herr Steiner erhielt über zwei Jahre hinweg wöchentlich Physio-, Ergo- und Logopädiebehandlungen zur Unterstützung seiner Genesung nach dem Schlaganfall. Heute besucht er nur noch die Physiotherapie, um schmerzende oder krampfende Körperstellen behandeln zu lassen. In Bezug auf seine sprachlichen Fähigkeiten berichtet er, dass er besonders von einer Gesangslehrerin profitierte, deren Ansatz sich deutlich von dem der Logopädin unterschied und ihm neue Impulse im Umgang mit Sprache gab.

Ablauf nach einer akuten Hirnverletzung

Schädigung des Gehirns

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Steiner (Betroffener)

«Am Anfang machst du die grössten Fortschritte»

Herr Steiner hat in der Reha wieder gelernt zu laufen. Zuerst war er auf den Rollstuhl angewiesen, später auf einen Rollator. Auch wenn er sich weiterhin nur eingeschränkt bewegen kann, war er zum Zeitpunkt des Interviews wieder in der Lage frei zu gehen – allerdings nicht zu joggen. Die Reha empfand er als sehr anstrengend, da er täglich mehrere Therapien hatte. Besonders hilfreich war für ihn die logopädische Therapie, weil er Schwierigkeiten beim Sprechen hatte.

Ablauf nach einer akuten Hirnverletzung

Schädigung des Gehirns

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Steiner (Betroffener)

«Manchmal braucht das Umfeld die grössere Hilfe als der Patient selbst»

Herr Steiner beschreibt die enorme Belastung seiner Angehörigen, die die kritische Situation bei vollem Bewusstsein miterlebten. Er schildert, dass ihn eine Angehörige unter Blaulicht im Krankenwagen begleitete. In solchen Momenten wird die Ausnahmesituation für Angehörige sehr deutlich.

Entscheidungsfindung

Schädigung des Gehirns

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Steiner (Betroffener)

Stillstand in der Genesung

Während der Akutphase blickte Herr Steiner optimistisch in die Zukunft und ging davon aus, sich schnell vom Schlaganfall zu erholen. Zwei Jahre später ist er froh, dass er damals nicht wusste, wie stark langfristige Einschränkungen seinen Alltag prägen würden.

Entscheidungsfindung

Schädigung des Gehirns

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Steiner (Betroffener)

Herr Steiner wäre nicht in der Lage gewesen, den Notdienst zu rufen

Herr Steiner lebte zum Zeitpunkt des Schlaganfalls mit seiner Ex-Freundin zusammen. Als er merkte, dass etwas nicht stimmte, rief er sie. Sie verständigte sofort den Krankenwagen.

Entscheidungsfindung

Schädigung des Gehirns

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Steiner (Betroffener)

Herr Steiner findet Religion interessant

Für Herrn Steiner spielen Religion und Glaube in seinem Leben keine Rolle. Dennoch interessiert ihn, wie andere Menschen Kraft aus ihrem Glauben schöpfen. Deshalb sucht er immer wieder das Gespräch über Glaubensthemen und liest gelegentlich in religiösen Schriften.

Glaube, Religion und Spiritualität

Schädigung des Gehirns

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Steiner (Betroffener)

Laut lesen als tägliche Übung

Herr Steiner übt täglich, um seine Sprachfähigkeit wiederherzustellen. Besonders hilfreich ist für ihn das laute Lesen.

Lehre und Strategien

Schädigung des Gehirns

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Steiner (Betroffener)

Wenn die Schwester zur Stütze wird

Seit dem Schlaganfall übernimmt seine Schwester die administrativen Aufgaben.

Auswirkung für Angehörige

Schädigung des Gehirns

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Steiner (Betroffener)

Bedeutung von Bewegung für die körperliche Stabilität

Für Herrn Steiner ist tägliche Bewegung wichtig, um seine Bewegungsfähigkeit zu erhalten. Er erlebt, dass regelmässige körperliche Aktivität dazu beiträgt, seine Mobilität im Alltag zu sichern. An Tagen, an denen ihm die Motivation zur Bewegung fehlt, bemerkt er hingegen, dass sich seine körperlichen Fähigkeiten verschlechtern. Besonders an solchen «schlechten Tagen» fällt ihm das Treppensteigen schwer.

Herausforderungen nach einer Schädigung des Gehirns

Schädigung des Gehirns

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Steiner (Betroffener)

Neu erlernen von Alltagshandlungen

Herr Steiner beschreibt am Beispiel des Einkaufens, wie er nach der Hirnverletzung alltägliche Handlungen neu erlernen musste. Was früher selbstverständlich war, war plötzlich mit vielen Herausforderungen verbunden.

Herausforderungen nach einer Schädigung des Gehirns

Schädigung des Gehirns

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Steiner (Betroffener)

Zustand ohne Gedanken

Herr Steiner beschreibt, dass er nach dem Schlaganfall zeitweise das Gefühl hatte, sein Kopf sei einfach leer gewesen und er nicht nachdenken müsse. Auch wenn er diesen Zustand stellenweise als unheimlich empfand, führte er dazu, dass er ohne Gedankenkreisen einschlafen kann, sobald er sich hinlegt. Zugleich kennt er aber auch das Gegenteil, bei dem seine Gedanken wie eine „Flipperkugel» durch seinen Kopf schiessen.

Herausforderungen nach einer Schädigung des Gehirns

Schädigung des Gehirns

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Steiner (Betroffener)

Herr Steiner fühlte sich am Steuer nicht mehr wohl

Nach dem Schlaganfall nahm Herr Steiner zusätzliche Fahrstunden, um zu prüfen, ob er noch Auto fahren konnte. Eine Zeit lang war er weiterhin mit einem Camper im Süden unterwegs. Als er sich jedoch eingestand, dass er sich auf engen Strassen nicht mehr wohlfühlte, entschied er sich, den Camper zu verkaufen. Seither ist er vor allem mit öffentlichen Verkehrsmitteln und seinem Velo unterwegs.

Herausforderungen nach einer Schädigung des Gehirns

Schädigung des Gehirns

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Steiner (Betroffener)

Rückkehr auf die Bühne und persönliche Grenzen

Herr Steiner wollte nach dem Schlaganfall zurück auf die Bühne. Mithilfe seiner damaligen Managerin führte er ein Stück über den Schlaganfall auf. Auch wenn ihm die erste Vorstellung viel Spass machte, konnte er das Bühnenprogramm langfristig nicht fortsetzen. In den Folgetagen war er nicht mehr in der Lage, seinem (Arbeits )Alltag nachzugehen, sodass er weiteren Auftritten nicht verbindlich nachkommen konnte.

Herausforderungen nach einer Schädigung des Gehirns

Schädigung des Gehirns

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Steiner (Betroffener)

Herr Steiner misst seine Lebensqualität an einer imaginären Linie

Herr Steiner blickt auf ein Leben als Künstler zurück, in dem er viel Spass erlebt hat. Seine aktuelle Lebensqualität beschreibt er äusserlich als relativ gut. Er hat gelernt, dass auf schlechte Tage wieder gute Tage folgen.

Herausforderungen nach einer Schädigung des Gehirns

Schädigung des Gehirns

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