Im Alter von 39 Jahren erlitt Frau Bernard einen Herzstillstand und musste mehrfach reanimiert werden. Durch die vorübergehende Unterversorgung des Gehirns kam es zu einer schweren Hirnverletzung, die mit ausgeprägtem Gedächtnisverlust einherging. Sie erinnert sich nicht mehr an ihr Leben vor dem Ereignis. Deshalb musste sie nicht nur grundlegende Fähigkeiten neu erlernen, sondern auch ihre eigene Familie wieder kennenlernen – und verliebte sich dabei ein zweites Mal in ihren Mann. Bis heute bleibt ihre Fähigkeit, Neues zu lernen und sich zu erinnern, eingeschränkt. Aufgrund einer bestehenden Herzerkrankung ist sie weiterhin regelmässig auf medizinische Betreuung angewiesen. Nach dem Herzstillstand verbrachte Frau Bernard mehrere Wochen auf der Intensivstation und durchlief eine achtmonatige Rehabilitation. Besonders profitierte sie von der neuropsychologischen Therapie. Sie betont, wie wichtig ihr die ehrliche und respektvolle Kommunikation ihrer Therapeutin war. Infolge der Hirnverletzung konnte sie nicht in ihren Beruf zurückkehren. Stattdessen engagiert sie sich heute in einer Gartengruppe, nimmt regelmässig an Nordic-Walking-Treffen einer Selbsthilfegruppe für Menschen mit Hirnverletzungen teil und kümmert sich um einsame Seniorinnen und Senioren. Ihr jetziges Leben betrachtet sie als Chance für einen Neuanfang. Im Interview erzählt Frau Bernard, dass sie manchmal die Bedeutung von Wörtern nicht versteht und ihr Umfeld daraufhin gelegentlich unangemessen reagiert. Bei wichtigen medizinischen Entscheidungen wird sie von ihrer Familie begleitet, die sie dabei unterstützt, möglichst selbstbestimmt entscheiden zu können. Vor ihrer Hirnverletzung arbeitete Frau Bernard als promovierte Agrarforscherin. Rückblickend berichtet sie, dass sie Anzeichen starker Überlastung ignorierte: Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Angst, sozialer Rückzug und kaum Zeit für Pausen. Für einen Arztbesuch blieb keine Zeit. Zum Zeitpunkt des Interviews war Frau Bernard 45 Jahre alt und lebte mit ihrer Familie zusammen. Das Gespräch fand bei ihr zu Hause statt.
VIDEO
Frau Bernard vergleicht ihr Gehirn mit dem eines alten Menschen, da ihre Gedächtnisleistung seit dem Ereignis deutlich eingeschränkt ist. Bis heute bestehen grosse Erinnerungslücken, insbesondere aus der Zeit vor dem Ereignis. Zwar kann sie sich vage an die Geburt ihres Sohnes erinnern, doch weiss sie nicht mehr, wer damals alles anwesend war. Darüber hinaus fällt es ihr schwer, echte Erinnerungen von Bildern zu unterscheiden, die sie später gesehen hat. Diese Unsicherheit im Umgang mit Erinnerungen erschwert es ihr, auf vergangene Erlebnisse klar zurückzugreifen.
TRANSKRIPTION
Frey (Betroffene)
Frau Frey vergisst das ein oder andere
Frau Frey ist sich nicht sicher, ob sie seit der Hirnblutung mehr vergisst, oder ob sie mehr darauf achtet.
Herausforderungen nach einer Schädigung des Gehirns
Ristova (Angehörige, Ehefrau)
Herr Ristova hat viele Fähigkeiten verloren
Frau Ristova muss ihren Mann im Alltag unterstützen. Das zeigt sich zum Beispiel daran, dass sie das Essen sehr sorgfältig vorbereiten muss. Der schulpflichtige Sohn bekommt von seinem Vater keine Unterstützung bei den Hausaufgaben.
Herausforderungen nach einer Schädigung des Gehirns
Im Alter von 39 Jahren erlitt Frau Bernard einen Herzstillstand und musste mehrfach reanimiert werden. Durch die vorübergehende Unterversorgung des Gehirns kam es zu einer schweren Hirnverletzung, die mit ausgeprägtem Gedächtnisverlust einherging. Sie erinnert sich nicht mehr an ihr Leben vor dem Ereignis. Deshalb musste sie nicht nur grundlegende Fähigkeiten neu erlernen, sondern auch ihre eigene Familie wieder kennenlernen – und verliebte sich dabei ein zweites Mal in ihren Mann. Bis heute bleibt ihre Fähigkeit, Neues zu lernen und sich zu erinnern, eingeschränkt. Aufgrund einer bestehenden Herzerkrankung ist sie weiterhin regelmässig auf medizinische Betreuung angewiesen. Nach dem Herzstillstand verbrachte Frau Bernard mehrere Wochen auf der Intensivstation und durchlief eine achtmonatige Rehabilitation. Besonders profitierte sie von der neuropsychologischen Therapie. Sie betont, wie wichtig ihr die ehrliche und respektvolle Kommunikation ihrer Therapeutin war. Infolge der Hirnverletzung konnte sie nicht in ihren Beruf zurückkehren. Stattdessen engagiert sie sich heute in einer Gartengruppe, nimmt regelmässig an Nordic-Walking-Treffen einer Selbsthilfegruppe für Menschen mit Hirnverletzungen teil und kümmert sich um einsame Seniorinnen und Senioren. Ihr jetziges Leben betrachtet sie als Chance für einen Neuanfang. Im Interview erzählt Frau Bernard, dass sie manchmal die Bedeutung von Wörtern nicht versteht und ihr Umfeld daraufhin gelegentlich unangemessen reagiert. Bei wichtigen medizinischen Entscheidungen wird sie von ihrer Familie begleitet, die sie dabei unterstützt, möglichst selbstbestimmt entscheiden zu können. Vor ihrer Hirnverletzung arbeitete Frau Bernard als promovierte Agrarforscherin. Rückblickend berichtet sie, dass sie Anzeichen starker Überlastung ignorierte: Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Angst, sozialer Rückzug und kaum Zeit für Pausen. Für einen Arztbesuch blieb keine Zeit. Zum Zeitpunkt des Interviews war Frau Bernard 45 Jahre alt und lebte mit ihrer Familie zusammen. Das Gespräch fand bei ihr zu Hause statt.
Bernard (Betroffene)
«Er hat mir das Leben gerettet.»
Im Warteraum für die Akupunktur verlor Frau Bernard plötzlich das Bewusstsein. Sie hatte schon länger Anzeichen starker Erschöpfung.
Krankheitserleben
Schädigung des Gehirns
Bernard (Betroffene)
«Deine Zeit ist nicht da. Geh zurück. Dein Sohn wird auf Dich warten»
Frau Bernard erinnert sich schwach daran, dass sie ein Licht gesehen hat, das ihr sagte, sie solle weiterleben.
Krankheitserleben
Schädigung des Gehirns
Bernard (Betroffene)
Absicherung durch die Invalidenversicherung
Menschen mit einer Hirnverletzung sind häufig in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt – auch dann, wenn diese Einschränkungen äusserlich nicht sichtbar sind. Die fehlende Sichtbarkeit kann zu Herausforderungen im Umgang mit der Invalidenversicherung (IV) führen und wird von Betroffenen teilweise als belastend empfunden. Im Fall von Frau Bernard war die Hirnverletzung so deutlich ausgeprägt, dass ihre Invalidität sofort von der Versicherung anerkannt wurde.
Ablauf nach einer akuten Hirnverletzung
Schädigung des Gehirns
Bernard (Betroffene)
Gartenarbeit, Nordic Walking und Selbsthilfegruppen sind für Frau Bernard auch Therapie
Frau Bernard nimmt regelmässig an verschiedenen Veranstaltungen für Menschen mit Hirnverletzungen teil. Neben dem therapeutischen Nutzen dieser Angebote schätzt sie besonders den Austausch mit anderen Betroffenen.
Ablauf nach einer akuten Hirnverletzung
Schädigung des Gehirns
Bernard (Betroffene)
Es brauchte eine Zeit, bis sie ihre Familie erkannte
Frau Bernard war acht Monate lang in einer Rehaklinik. Dort hatte sie täglich viele Therapien und lernte Schritt für Schritt, wie ihr neuer Alltag aussehen kann. Weil sie sich an ihr früheres Leben gar nicht mehr erinnern konnte, musste sie nicht nur alltägliche Dinge neu lernen – sondern auch ihre eigene Familie wieder kennenlernen.
Ablauf nach einer akuten Hirnverletzung
Schädigung des Gehirns
Bernard (Betroffene)
Frau Bernard verstand die Worte nicht mehr
Wenn Menschen nach einer Hirnverletzung Wörter nicht mehr verstehen, spricht man von einer Aphasie – einer Sprachstörung, die durch eine Funktionsstörung des Gehirns verursacht wird. Frau Bernard war von einer ausgeprägten Form der Aphasie betroffen. Nachdem Frau Bernard sagte, dass sie ihre Therapeutin nicht verstehe, begann diese sie anzuschreiben, anstatt andere Worte zu nutzen. Dieses Beispiel verdeutlicht, wie sich Kommunikationsschwierigkeiten negativ auf die therapeutische Beziehung auswirken können.
Ablauf nach einer akuten Hirnverletzung
Schädigung des Gehirns
Bernard (Betroffene)
Frau Bernard nimmt bei wichtigen Gesprächen ihre Familie mit
Frau Bernard hat aufgrund kognitiver Einschränkungen Schwierigkeiten, komplexe Inhalte zu verstehen. Um dennoch aktiv an Gesprächen mit dem ärztlichen Dienst teilnehmen zu können, nimmt sie vertraute Personen mit, die bei der Verständnissicherung helfen.
Entscheidungsfindung
Schädigung des Gehirns
Bernard (Betroffene)
Frau Bernard hatte am Anfang zu viel Besuch
Die Angehörigen von Frau Bernard wünschten sich, dass das Personal die Zahl der Besucher:innen eingeschränkt hätte.
Entscheidungsfindung
Schädigung des Gehirns
Bernard (Betroffene)
In der Selbsthilfegruppe trifft er andere betroffene Personen
Frau Bernard empfindet die Selbsthilfegruppe als sehr ermutigend. Der Austausch mit anderen Betroffenen hilft ihm, Hoffnung zu schöpfen, seinen Blick auf eine zweite Chance zu richten und das Leben positiv wahrzunehmen.
Entscheidungsfindung
Schädigung des Gehirns
Bernard (Betroffene)
«Am Anfang habe ich manchmal nicht gemerkt, dass ich nicht dazu fähig bin.»
Zu Beginn ihrer Erkrankung erkannte Frau Bernard nicht, dass sie entscheidungsunfähig war. Seit sie dieses Wissen hat, wägt sie Entscheidungen sorgfältig ab.
Entscheidungsfindung
Schädigung des Gehirns
Bernard (Betroffene)
Es gab immer wieder Momente, in denen sie nicht weitermachen wollte.
Frau Bernard war mehrfach an dem Punkt, an dem sie den Kampf aufgeben wollte. Ihre Neuropsychologin zeigte Verständnis für diese Gefühle, die in einer solchen Situation häufig auftreten, und bot ihr an, sich jederzeit zu melden. Zum Zeitpunkt des Interviews wusste Frau Bernard, dass sie so lange wie möglich kämpfen möchte.
Entscheidungsfindung
Schädigung des Gehirns
Bernard (Betroffene)
Langfristige Entwicklung bleibt schwer vorhersehbar.
Frau Bernard hatte ausgeprägte Gedächtnisstörungen. Dass Gesundheitsfachpersonen sie fünf Jahre später «für die Forschung» beurteilen wollen, zeigt, dass auch Ärzt:innen Prognosen nur begrenzt einschätzen können.
Entscheidungsfindung
Schädigung des Gehirns
Bernard (Betroffene)
«Ein Licht mir gesagt hat, deine Zeit ist nicht da. Geh zurück’»
Die schwere Krankheitsphase und die Vision eines Lichtes verstärkten den Glauben von Frau Bernard und ihre aktive Rolle in der katholischen Kirche.
Glaube, Religion und Spiritualität
Schädigung des Gehirns
Bernard (Betroffene)
Frau Bernard lernte, dass man Anzeichen eines Burnouts ernst nehmen muss
Frau Bernard erzählt, dass sie bereits vor dem Ereignis deutliche Anzeichen eines Burnouts hatte. Sie hatte jedoch keine Zeit, sich darum zu kümmern. Ihre Erfahrung zeigt: Sie hätte auf die Signale ihres Körpers hören sollen.
Lehre und Strategien
Schädigung des Gehirns
Bernard (Betroffene)
Eine Ruhezone zum Stressabbau
Die Kolleg:innen von Frau Bernard waren sehr betroffen, als sie von dem Ereignis erfuhren. Daraufhin wurde eine „Stresszone» eingerichtet – ein Bereich, in dem Menschen Warnsignale wahrnehmen und Stress abbauen können.
Lehre und Strategien
Schädigung des Gehirns
Bernard (Betroffene)
«Wir schaffen es»
Für Frau Bernard ist es eine grosse Hilfe zu wissen, dass ihre Familie sie unterstützt und in der akuten Phase an ihrer Seite war. Besonders deutlich wird das in einem Bild, das ihr Sohn für sie im Spital gemalt hat.
Lehre und Strategien
Schädigung des Gehirns
Bernard (Betroffene)
Ein Badge zur Erkennung von Hirnverletzten
Hirnverletzungen sind für Aussenstehende oft unsichtbar. Um deutlich zu machen, dass sie eine geistige Beeinträchtigung hat, trägt sie ein Badge, der darauf hinweist und um Rücksicht bittet.
Lehre und Strategien
Schädigung des Gehirns
Bernard (Betroffene)
Er muss alles unter Kontrolle haben
Frau Bernard ist stolz auf ihren Mann, der seit ihrer Erkrankung die Verantwortung in der Familie übernommen hat.
Auswirkung für Angehörige
Schädigung des Gehirns
Bernard (Betroffene)
Familie als grösste Motivation
Bei einem erneuten Eingriff hatte ihr Sohn grosse Angst, dass seine Mutter nicht mehr zurückkehren würde. Für Frau Brunner war ihre Familie der wichtigste Grund, um für ihr Überleben zu kämpfen.
Auswirkung für Angehörige
Schädigung des Gehirns
Bernard (Betroffene)
Gedächtniseinschränkungen
Frau Bernard vergleicht ihr Gehirn mit dem eines alten Menschen, da ihre Gedächtnisleistung seit dem Ereignis deutlich eingeschränkt ist. Bis heute bestehen grosse Erinnerungslücken, insbesondere aus der Zeit vor dem Ereignis. Zwar kann sie sich vage an die Geburt ihres Sohnes erinnern, doch weiss sie nicht mehr, wer damals alles anwesend war. Darüber hinaus fällt es ihr schwer, echte Erinnerungen von Bildern zu unterscheiden, die sie später gesehen hat. Diese Unsicherheit im Umgang mit Erinnerungen erschwert es ihr, auf vergangene Erlebnisse klar zurückzugreifen.
Herausforderungen nach einer Schädigung des Gehirns
Schädigung des Gehirns
Bernard (Betroffene)
«Es war klar, dass ich nie wieder zurückkommen kann»
Als sich abzeichnete, dass Frau Bernard nicht mehr in ihren bisherigen Beruf zurückkehren konnte, fragte ihr Chef frühzeitig, ob er die Stelle neu besetzen dürfe. Gleichzeitig versprach er ihr, dass die «Tür für sie offen bleibt», falls sie sich zu einem späteren Zeitpunkt wieder an derselben Institution beschäftigen möchte. Frau Bernard musste sich jedoch eingestehen, dass der Arbeitsweg für sie bereits zu erschöpfend war.
Herausforderungen nach einer Schädigung des Gehirns
Schädigung des Gehirns
Bernard (Betroffene)
Glück im Unglück
Frau Bernard ist dankbar, dass sie nicht mehr durch ihren Alltag rennen muss und gelernt hat, sich abzugrenzen. Trotz gesundheitlicher Einbussen erfreut sie sich an ihrem «zweiten Leben».
Herausforderungen nach einer Schädigung des Gehirns
Schädigung des Gehirns
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