Im März 2020 hatte Frau Frey im Alter von 61 eine Hirnblutung. Da zu dem Zeitpunkt Covid in allen Schlagzeilen stand, dachte sie, sie hätte den Virus und legte sich wieder ins Bett und schlief mehrere Stunden trotz stärksten Kopfschmerzen. Erst einen Tag später suchte sie telefonisch bei ihrer Hausärztin medizinischen Rat. Die Hausärztin empfahl ihr, den Notfall aufzusuchen, so ging zu Fuss ins Krankenhaus. Sie realisierte Wochen später, wie krank sie gewesen war. Nach einigen Untersuchungen, wie einer Computertomographie, sollte sie ins Zentrumsspital verlegt werden. Zu diesem Zeitpunkt dachte sie noch immer, sie hätte Corona, da sie niemand über den eigentlich Befund aufklärte. Als sie im Zentrumsspital letztendlich über den Befund aufgeklärt wurde, wollte sie sich zuerst keiner Operation unterziehen, da sie Angst vor den Folgen hatte. Erst nach einem ausführlichen Gespräch mit dem Operateur wurde ihr klar, dass sie ohne Operation in kürzester Zeit versterben könnte. Frau Frey kritisierte, dass sie während des (viel zu lauten) Intensivaufenthalts zu wenig in medizinische Entscheidungen einbezogen wurde, und lehnte die Verlegung in der Rehabilitationsklinik ab. Frau Frey lebt alleine, wurde in den ersten Wochen nach dem Krankenhausaufenthalt durch ihren Partner betreut und arbeitete dann wieder in ihrem alten Beruf als selbstständige visuelle Gestalterin. Sie fühlt sich vollständig genesen, sieht aber auch, dass sie schnell reizüberflutet ist. Sie gibt an, im Strassenverkehr schnell überfordert zu sein. Das Interview fand im Juli 2021 bei ihr zu Hause statt.
AUDIO
Frau Frey beschreibt den Verlust ihres Selbstvertrauens. Sie traut ihrem Erinnerungsvermögen nicht mehr voll und fühlt sich in Gesprächen unsicherer.
TRANSKRIPTION
Pfister (Betroffene)
In der Vergangenheit hat Frau Pfister sich selbst eine Menge schlechter Dinge angetan
Frau Pfister blickt auf ihr Leben vor der Blutung zurück und beschreibt sich selbst als hyperaktiv, drogensüchtig und cholerisch. Die Subarachnoidalblutung half ihr, ihr Leben zu reflektieren, so dass sie ihre früheren Erfahrungen als überwunden einstuft.
Identität
Novak (Betroffene)
Früher hat sie Bücher "gefressen"
Frau Novak beschreibt einen Wandel in ihrem Leben. Sie war eine Leseratte und kann Büchern jetzt nichts mehr abgewinnen. Da sie kognitiv in der Lage ist, Bücher zu lesen, ist ihr die die Ursache nicht nachvollziehbar. Im gleichen Abschnitt beschreibt sie, dass sie seit der Erkrankung empfindlicher ist. Dieser Absatz ist von langem Schweigen gefolgt. Auch auf Nachfrage ist es ihr nicht möglich, dieses Gefühl in Worten greifbar zu machen.
Identität
Im März 2020 hatte Frau Frey im Alter von 61 eine Hirnblutung. Da zu dem Zeitpunkt Covid in allen Schlagzeilen stand, dachte sie, sie hätte den Virus und legte sich wieder ins Bett und schlief mehrere Stunden trotz stärksten Kopfschmerzen. Erst einen Tag später suchte sie telefonisch bei ihrer Hausärztin medizinischen Rat. Die Hausärztin empfahl ihr, den Notfall aufzusuchen, so ging zu Fuss ins Krankenhaus. Sie realisierte Wochen später, wie krank sie gewesen war. Nach einigen Untersuchungen, wie einer Computertomographie, sollte sie ins Zentrumsspital verlegt werden. Zu diesem Zeitpunkt dachte sie noch immer, sie hätte Corona, da sie niemand über den eigentlich Befund aufklärte. Als sie im Zentrumsspital letztendlich über den Befund aufgeklärt wurde, wollte sie sich zuerst keiner Operation unterziehen, da sie Angst vor den Folgen hatte. Erst nach einem ausführlichen Gespräch mit dem Operateur wurde ihr klar, dass sie ohne Operation in kürzester Zeit versterben könnte. Frau Frey kritisierte, dass sie während des (viel zu lauten) Intensivaufenthalts zu wenig in medizinische Entscheidungen einbezogen wurde, und lehnte die Verlegung in der Rehabilitationsklinik ab. Frau Frey lebt alleine, wurde in den ersten Wochen nach dem Krankenhausaufenthalt durch ihren Partner betreut und arbeitete dann wieder in ihrem alten Beruf als selbstständige visuelle Gestalterin. Sie fühlt sich vollständig genesen, sieht aber auch, dass sie schnell reizüberflutet ist. Sie gibt an, im Strassenverkehr schnell überfordert zu sein. Das Interview fand im Juli 2021 bei ihr zu Hause statt.
Frey (Betroffene)
Frau Frey dachte, sie könnte während des Aufenthalts auf der Intensivstation ihrer Arbeit nachgehen
Frau Frey liess sich ihren Computer ins Spital bringen, um zu arbeiten. Sie stellte aber schnell fest, dass sie nicht in der Lage war, die Aufträge abzuarbeiten . Hier zeigt sich eine Überschätzung der eigenen Fähigkeiten und der Belastbarkeit.
Krankheitserleben
Schädigung des Gehirns
Frey (Betroffene)
«Wenn ich einen Schraubstock hätte, würde ich den Kopf in einen Schraubstock stecken»
Frau Frey bekam morgens plötzlich stärkste Kopfschmerzen. Schmerzmittel erbrach sie sofort. Durch die Beschreibung, den Kopf in einen Schraubstock stecken zu wollen, wird klar, dass sie einen extremen Druck spürte, dem sie irgendwie entgegenwirken wollte.
Krankheitserleben
Schädigung des Gehirns
Frey (Betroffene)
Frau Frey vergisst das ein oder andere
Frau Frey ist sich nicht sicher, ob sie seit der Hirnblutung mehr vergisst, oder ob sie mehr darauf achtet.
Herausforderungen nach einer Schädigung des Gehirns
Schädigung des Gehirns
Frey (Betroffene)
Frau Frey musste nach der Blutung einige Aufträge ablehnen
Frau Frey arbeitet selbstständig als Illustratorin und dachte, sie könne bereits während des Intensivaufenthalts ihre Arbeit fortsetzen. Ihr war schnell klar, wie schwierig es war, einfachen Routineaufgaben nachzukommen und sagte den Auftrag ab. Auch noch Wochen später nahm ihre Arbeit deutlich mehr Zeit als gewöhnlich in Anspruch.
Herausforderungen nach einer Schädigung des Gehirns
Schädigung des Gehirns
Frey (Betroffene)
Frau Frey konzentriert sich auf das, was ihr gut tut
Frau Frey versucht sich von belastenden Kontakten zu distanzieren und fokussiert sich auf positive Lebensinhalte.
Lehre und Strategien
Schädigung des Gehirns
Frey (Betroffene)
Frau Frey gibt es Kraft, wenn sie berufliche Aufträge ausführt
Frau Frey wurde sich erst im Rückblick über die Schwere ihrer Krankheit bewusst. Als Illustratorin hilft es ihr, sich ihrer Arbeit zu widmen.
Lehre und Strategien
Schädigung des Gehirns
Frey (Betroffene)
Es war «wahnsinnig laut»
Für Frau Frey war die Geräuschkulisse am schlimmsten; insbesondere der regelmässige Wechsel der Müllsäcke.
Ablauf nach einer akuten Hirnverletzung
Schädigung des Gehirns
Frey (Betroffene)
Während des Lockdowns konnte man die Gesichter des Personals nicht sehen
Während der Corona-Pandemie trug das Personal eine Gesichtsmaske und meist Brillen, so dass man die Gesichter und Mimik nicht sehen konnte. Besonders in der ersten Phase der Pandemie war niemand diesen Anblick gewöhnt.
Ablauf nach einer akuten Hirnverletzung
Schädigung des Gehirns
Frey (Betroffene)
Frau Frey fühlte sich bevormundet
Frau Frey wollte nicht in die Rehaklinik, obwohl sie schon angemeldet war. Sie fühlte sich in der Entscheidung von behandelnden Ärzt*innen bevormundet. Erst als sie mehrere Gespräche einforderte und Tränen flossen, wurde ihrem Anliegen nachgegeben.
Ablauf nach einer akuten Hirnverletzung
Schädigung des Gehirns
Frey (Betroffene)
Frau Frey lief zu Fuss ins Krankenhaus
Frau Frey hat Erinnerungslücken von dem Tag des Blutungsereignisses. Die Symptome traten während der ersten Corona-Welle auf. Es gab damals kein anderes Thema. Frau Frey dachte, der Virus hätte sie erwischt. Erst am nächsten Tag rief sie auf Anraten ihres Partners die Hausärztin an und ging zu Fuss ins nächste Spital.
Entscheidungsfindung
Schädigung des Gehirns
Frey (Betroffene)
Frau Frey ist dankbar, nicht nach ihrem Lebenswillen gefragt worden zu sein
Frau Frey begründet ihren guten Krankheitsverlauf damit, dass sie aufgrund ihrer Unwissenheit gute Gedanken hatte, die sich positiv auf ihre Gesundheit äusserten. Wäre sie nach ihrem Lebenswillen befragt worden, wäre ihr erst das Ausmass ihrer Erkrankung bewusst geworden. Die Ängste hätten dann den Verlauf negativ beeinflussen können.
Entscheidungsfindung
Schädigung des Gehirns
Frey (Betroffene)
"Ich könnte jetzt heim"
Frau Frey konnte das Risiko der Komplikationen nicht umfassend abschätzen und fühlte sich nach der Operation wieder hergestellt. Ihr grösster Wunsch war es, nach Hause entlassen zu werden. Die zweiwöchige Bettlägerigkeit ist ein wichtiger Teil der Therapie, um Komplikationen wie Nachblutungen zu verhindern.
Entscheidungsfindung
Schädigung des Gehirns
Frey (Betroffene)
Nachbarpatientin beeinflusst indirekt die Entscheidung
Frau Frey entschied sich sehr bewusst gegen eine Rehabilitationsklinik, nachdem sie die ergotherapeutischen Massnahmen am Nachbarbett beobachtete. Sie übertrug die Therapie auf ihr eigenes Krankheitsbild und stufte diese Massnahme als überflüssig ein.
Entscheidungsfindung
Schädigung des Gehirns
Frey (Betroffene)
Zwischen Vertrauen und Bevormundung
Frau Frey willigte der Operation erst nach einem vertrauensvollen Arztgespräch ein. Dies verdeutlich, wie wichtig die Gespräche sind, um sich auf einen Eingriff einzulassen. Während dem Krankheitsverlauf (siehe Bevormundung) fühlte sie sich von den Ärzt*innen bevormundet und von der Entscheidung der Folgetherapien ausgeschlossen. Ihre Bereitschaft der Mitarbeit sank und sie brach die Therapie ab.
Entscheidungsfindung
Schädigung des Gehirns
Frey (Betroffene)
Selbstpositionierung durch Abgrenzung
Frau Frey positioniert sich selbst, indem sie sich anderen entgegensetzt. In dieser Abgrenzung entscheidet sie, wann eine Rehabilitation notwendig ist.
Identität
Schädigung des Gehirns
Frey (Betroffene)
Unsicherheit bestimmt die Gesprächsführung
Frau Frey beschreibt den Verlust ihres Selbstvertrauens. Sie traut ihrem Erinnerungsvermögen nicht mehr voll und fühlt sich in Gesprächen unsicherer.
Identität
Schädigung des Gehirns
Frey (Betroffene)
Positives Denken
Auch Frau Frey ist der Überzeugung, dass sich Gedanken auf den Krankheitsverlauf auswirken, weshalb sie die vollständige Information ablehnt.
Glaube, Religion und Spiritualität
Schädigung des Gehirns
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